Weniger Anerkennungsanträge in der Pflege
Wird der internationale Wettbewerb spürbarer?
Internationale Pflegefachkräfte sind ein wichtiger Bestandteil der Fachkräftegewinnung in Deutschland. Die aktuellen Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigen für 2025 jedoch erstmals seit der COVID-19-Pandemie wieder einen Rückgang bei den Anerkennungsanträgen.
21.504 Anträge auf Anerkennung wurden 2025 für Pflegefachpersonen einschließlich Gesundheits- und Krankenpfleger gestellt. Das sind rund 900 Anträge beziehungsweise 4 Prozent weniger als im Vorjahr.
Bemerkenswert ist die Entwicklung vor allem deshalb, weil die jährlichen Antragszahlen mit Ausnahme des pandemiegeprägten Jahres 2020 seit 2012 kontinuierlich gestiegen waren.
Pflege bleibt der wichtigste Beruf im Anerkennungsgeschehen
Trotz des Rückgangs bleibt die Pflege mit großem Abstand der antragsstärkste Referenzberuf.
Insgesamt wurden 2025 rund 59.750 neue Anerkennungsanträge zu Berufen nach Bundesrecht gestellt. Etwa 36 Prozent davon entfielen allein auf Pflegefachpersonen einschließlich Gesundheits- und Krankenpflegern.
Zum Vergleich: Beim Referenzberuf Arzt wurden rund 12.900 Anträge gestellt, bei Physiotherapeuten rund 2.200.
Auch die Herkunft der Qualifikationen ist relevant: Der überwiegende Teil der Anerkennungsanträge in der Pflege bezog sich auf Abschlüsse aus Drittstaaten. Internationale Fachkräfte außerhalb der EU spielen damit weiterhin eine zentrale Rolle für die Fachkräftegewinnung.
Kein einheitlicher Rückgang nach Herkunftsländern
Der Rückgang lässt sich nicht auf ein einzelnes Ausbildungsland zurückführen.
Weniger Anerkennungsanträge als im Vorjahr gab es unter anderem bei Pflegequalifikationen aus Indien, Tunesien, den Philippinen, der Türkei und dem Kosovo.
Gleichzeitig stiegen die Zahlen bei anderen Ausbildungsstaaten. Besonders deutlich nahm beispielsweise die Zahl der Anträge mit Pflegequalifikationen aus Ägypten zu.
Das BIBB betont deshalb, dass sich aus den Daten für 2025 noch kein langfristiger Trend ableiten lässt. Ob es sich um einen dauerhaften Rückgang oder nur um einen temporären Knick handelt, müssen die kommenden Jahre zeigen.
Internationaler Wettbewerb um Pflegefachkräfte
Eine mögliche Erklärung liegt im zunehmenden internationalen Wettbewerb.
Nicht nur Deutschland ist auf international ausgebildete Pflegefachkräfte angewiesen. Das BIBB verweist auf OECD-Daten, nach denen mehrere Länder ihre Pflegeversorgung zunehmend mit international qualifizierten Fachkräften sichern. Deutschland gehört dabei neben den USA und dem Vereinigten Königreich zu den wichtigen Zielländern.
Gleichzeitig kann sich das Rekrutierungspotenzial in einzelnen Herkunftsstaaten verändern, wenn dort der eigene Bedarf an Pflegepersonal steigt oder politische Maßnahmen den Verbleib von Fachkräften fördern.
Auch Arbeits- und Integrationsbedingungen in Deutschland nennt das BIBB als möglichen Einflussfaktor. Einen direkten Zusammenhang mit dem Rückgang der Anerkennungsanträge kann die Statistik jedoch nicht belegen.
Was bedeutet das für Pflegeeinrichtungen?
Für Arbeitgeber ist die Entwicklung vor allem ein Hinweis darauf, internationale Rekrutierung nicht isoliert zu betrachten.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie gewinnen wir internationale Pflegefachkräfte?
Ebenso wichtig ist: Wie schaffen wir Bedingungen, unter denen sie langfristig bleiben und ihre Qualifikation vollständig einsetzen können?
Dazu gehören transparente Informationen zum Anerkennungsverfahren, klare Zuständigkeiten innerhalb der Einrichtung, eine strukturierte Einarbeitung und eine gezielte fachsprachliche Vorbereitung.
Gerade Fachsprache sollte nicht erst dann zum Thema werden, wenn Missverständnisse entstehen. Übergaben, Dokumentation, Gespräche mit Patienten und Angehörigen sowie die Zusammenarbeit im interprofessionellen Team stellen besondere sprachliche Anforderungen.
Anerkennung, Fachsprache, Einarbeitung und Integration sollten deshalb von Beginn an zusammengedacht werden.
Fazit
Die 21.504 Anerkennungsanträge in der Pflege zeigen zwei Entwicklungen gleichzeitig: Die Pflege bleibt der mit Abstand wichtigste Beruf im Anerkennungsgeschehen, gleichzeitig ist die Zahl der Anträge erstmals seit der Pandemie zurückgegangen.
Ob daraus ein langfristiger Trend entsteht, lässt sich derzeit nicht sagen.
Für Pflegeeinrichtungen ist die Entwicklung dennoch relevant. In einem zunehmenden internationalen Wettbewerb reicht es nicht aus, Fachkräfte lediglich zu rekrutieren. Auch die Bedingungen nach der Ankunft entscheiden darüber, ob internationale Fachkräfte langfristig Teil einer Einrichtung werden.
Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Auswertung der amtlichen Statistik zum Anerkennungsgesetz des Bundes für 2025. Stand August 2026